Schampus für alle: ALDI eine deutsche Geschichte, Guido Knopp
- Substrat: Strategie ist Dauertiefpreis (Kunde soll glauben, nirgendwo ist es billiger)
- von Tante-Emma-Läden schrittweise zu ALDI-Kernsäulen:
- Günstiges, kleines "Schnelldreher"-Sortiment
- Zugartikel (bspw. Butter) zu Selbstkosten; keine Parallelwaren; lange nur 250-280 Produkte; markenfreie Eigenmarken über Lieferanten
- seit 1977 Aktionstage mit Non-Food-Sonderposten (bspw. Computer, Buch-Sonderauflagen, ...)
- gelegentlich kurzfristig Verkäufe unter Einkaufspreis, langfristig auf Kosten der Hersteller
- Selbstbedienungsmarkt (1949 erster SB-Laden in Dtl.; 1954 Edeka-Verbund; Aldi erst später)
- Discount-Markt: dauerhafte Gewährung von Rabatt auf üblichen Preis (ALDI = Albrecht Diskont)
- Discountwelle teilweise schon 1961; Aldi erst später
- große Einkaufsmacht mit rigorosem Qualitätsmanagement
- umfangreiche Qualitätsnachweise gefordert, Warenkontrollen in regionalen Zentrallagern, stichprobenhafte Prüfung der Filialen & Regionalgesellschaften
- Bewertungen unter "gut" von Stiftung Warentest führten zu sofortiger Auslistung
- "Aldi-Bibeln": Handbücher für Geschäftsführer, Verkaufsleiter, Bezirksleiter, Filialleiter, etc.
- Dezentralisierung (kaum zentrale Stabsstellen, Expansion über Regionalgesellschaften)
- Expansion über liquiden Float: Waren mehrmals verkauft bis Zahlung am Monatsende
- selbst Marketing, Marktforschung, ... in Regionalgesellschaften (später gebündelt)
- Standardisierung und Organisation sorgten für wenig Arbeit bei Geschäftsführern
- weil formal kein Konzern: Verwaltungsratsmitglieder waren freiberufliche Manager
- Günstiges, kleines "Schnelldreher"-Sortiment
- "Aldi-Burka": institutionalisierte Totalverschleierung
- kaum Interviews/Fotos; Todesanzeige erst nach Beerdigung; Karl lehnte Bundesverdienstkreuz ab
- jahrzehntelange Presse-Standardantwort: "aus grundsätzlichen Erwägungen keine Auskünfte"
- Theo personifizierte Sparsamkeit: im Winter mit Heizstrahler; mitgebrachte Stulle lieber als Kantine
- Vermögen über Stiftungen von Karl & Theo organisiert; Kinder gründeten weitere Stiftungen
- Problem #1: Sohn von Theo, Berthold, und seine Frau, Babette, verweigerten puristische Standards
- Problem #2: Investitionen aus Stiftungskapital erforderten Zustimmung aller drei Stiftungen (Aldi Nord?)
- Kernmetrik: Leistungszahl (Umsatz / Anzahl Mitarbeiterstunden)
- Konzern-Betriebsrat wegen Aufteilung in viele kleine Betriebe nicht nötig
- Druck auf Filialen, wenn Betriebsräte in Entstehung (offene Abstimmung, Weihnachtsgeld streichen, ...)
- "Geist von Aldi": Misstrauenskultur, schikanöser Personal-Umgang, Produzieren von Abmahnungen

Notizen
- 1913 eröffnet Karl Albrecht senior ein Brotgeschäft
- Besitzer eines Tante-Emma-Ladens nebenan fiel im 1. Weltkrieg, Albrechts kauften Laden
- 1920 (1922) kam Karl (Theo) zur Welt; Bildung beschränkte sich auf 10 Schuljahre; bis ins hohe Alter jeden Sonntag in die Kirche gegangen; 1940 (1941) wurde Karl (Theo) eingezogen; Theo hat in Armee Nachschub organisiert; heirateten Frauen aus der Nachbarschaft (bspw. Metzgertochter)
- 1948, mit Einführung der D-Mark, sahen die Albrecht-Brüder den Beginn ihrer Geschäftstätigkeit; kurz zuvor Zweitgeschäft eröffnet (damals noch Tante-Emma-Laden); 1950 bereits 13 Geschäfte; 1953 ca. 30; 1955 ca. 100; Ende der 1950er >300 Filialen (immer noch als Tante-Emma-Laden konzipiert)
- Aldi kam in Krise, weil sie sich gegen neue Entwicklungen sträubten (damals nur durchschn. 100 m²-Fläche, üblich waren 250-600 m²; SB erst spät umgesetzt)
- mit Anfang 40 trennten Albrecht-Brüder Aldi in Nord & Süd; bis dahin Karl kreativer Außen-, Theo analytischer Innenminister; dauerte Jahrzehnte bis es eine nach außen sichtbare Unterscheidbarkeit gab; 1966 vollständige Eigenkapitaltrennung der beiden Gesellschaften
- Timing: ALDI profitierte von Gastarbeiter-Wellen mit wenig Geld
- 1964 begann Kippen der Lebensmittelpreisbindung
- Discount-Trend boomte bspw. in Frankreich mit jährlichem Wachstum von bis zu 30%
- Dieter Schwarz eröffnete 1973 ersten Lidl in Ludwigshafen; 1976 warb er Klaus Gehrig von
Aldi Süd ab und machte ihn zum Geschäftsführer der Schwarz-Gruppe
- "Ohne Lidl wären wir eingeschlafen."
- Lidl überholte Aldi in 2000ern, weil sie schneller bemerkten, dass Kunden nicht mehr nur billig wollten
- Aldi ließ wie viele westdeutsche Firmen in DDR produzieren (teilweise über Zwangsarbeiter)
- Einkaufswellen schwappten über Dtl.: Fresswelle, Bekleidungswelle, Einrichtungswelle, Autowelle, Reisewelle
- 4/5 der ca. 45 Mio. Legehennen in Deutschland um 2000 in Betrieben mit >3 Tsd. Tieren
- 2004 verlangte Aldi Nord von Zulieferer 89 Cent für 10er-Packung (9 Cent pro Ei); später sogar 6 Cent
- Liter Milch: 27 Cent (2016 sogar <20 Cent); von 2009-1016 gaben ca. 20 Tsd. Milchbauern auf
- in Gebärdensprache ist Geste des Kopftuchumlegens Begriff für "Aldi"
- Einführung der Scannerkassen: auch Hilfskräfte, Praktikanten, Azubis, Minijobber einsetzbar
- durchschn. 3,3 Mitarbeitende + Leiter je Filiale